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Artikel 24. Juli 2011
Reisen in den interplanetaren Weltraum sollen von Shuttle-Startrampen ausgehen
Nach Abriß von Rampe 39B wird die 39A eingemottet, um irgendwann als Startrampe für interplanetare Reisen dienen zu können

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Oben: Die Startrampe 39A kurz nach dem letzten Shuttle-Start der Raumfähre ATLANTIS zur Mission STS-135 am 8. Juli 2011. (Photo: NASA)
Nachdem der Abriss der nördlichen der beiden Startrampen des Kennedy Raumfahrtzentrums (KSC) nahezu abgeschlossenen ist, plant die NASA jetzt die Startrampe 39A in den nächsten Monaten einzumotten, um sie auf lange Sicht zu erhalten, bis irgendwann einmal bemannte Missionen zu Asteroiden oder dem Mars von hier starten, wie Funktionäre der amerikanischen Raumfahrtbehörde verlauten ließen.

Nach dem Start der Raumfähre ATLANTIS am 8. Juli von der Rampe 39A haben die Techniker mit den mehrere Wochen dauernden standardmäßigen Aufräum- und Reparaturarbeiten begonnen. Aber da vorerst keine weiteren Missionen für einen Start von dieser Rampe geplant sind, werden die normalen Arbeiten an diesem Komplex bald eingestellt, wie ein Sprecher der NASA erklärte.

Die beiden küstennahen Startrampen des Raumhafens in Florida haben eine schnelle Abfolge von Flügen in den letzten 30 Jahren unterstützt, aber die NASA hat das letzte Shuttle von der Startrampe 39B im Jahr 2006 gestartet, als das Programm in die letzten Jahre ging.

Nachdem sie noch als Startrampe für einen möglichen Rettungsflug für die letzte Wartungsmission des Weltraumteleskops HUBBLE gedient hatte, war die 39B danach noch Ausgangspunkt für den Start der ARES 1-X Trägerrakete im Oktober 2009.

Ein private Abrißfirma begann dann im letzten Sommer, die feste und drehbare Rampenstruktur zurückzubauen und die letzten größeren Teile des Komplexes wurden von der Abrißmannschaft Anfang Juli diesen Jahres entfernt.

Es dauerte 10 Monate, um den Löwenanteil der Arbeit zu erledigen, hauptsächlich wegen der Unterbrechungen in Zusammenhang mit den Shuttle-Starts von der nahen Startrampe 39A, die nur rund 2,5 km südlich der 39B liegt.

Für ähnliche Sicherungs- und Abrißarbeiten der 39A stehen aber keine Finanzmittel bereit. Die NASA wird daher die Anlage vorerst in ihrem jetzigen Zustand erhalten, wie der Direktor des KSC, Bob Cabana, erklärte.

"Wir werden Startrampe 39A nicht sofort abreißen", meinte Mike Leinbach, der Startdirektor des letzten Shuttle-Fluges. "Wir werden sie mehr oder weniger im jetzigen Zustand erhalten, für den Fall, daß das nächste Programm einige der Anlagen da draußen wiederverwenden kann."

"Unser Plan ist, die Rampe [39A] für die nahe Zukunft zu sichern und einzumotten", erklärte Pepper Phillips, der NASA-Verantwortliche für die Umwandlung von KSC-Anlagen für die zukünftige Nutzung. "Unsere Absicht ist, die Rampe [39A] für die zukünftige Nutzung zu erhalten, da sie immer noch als wertvoller und notwendiger Aktivposten für unsere Mars-Kampagne angesehen wird. Mit der Erhaltung der Nutzungsfähigkeit der Rampe [39A], werden wir selbstverständlich auch die mögliche Verwendung in Zusammenhang mit kommerziellen Interessen prüfen und entsprechende Anpassungen vornehmen.

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Oben: Die Startrampe 39B während der Abrißarbeiten. Die drehbare Zugangsstruktur (RSS) wurde bereits komplett entfernt und der feste Startturm ist weitestgehend zurückgebaut. In Zukunft sollen keine permanenten Strukturen auf der Rampe stehen. Der Startturm zur Versorgung der Trägerraketen soll direkt auf der mobilen Startplattform aufgebaut und zusammen mit der Rakete auf ihr zur Rampe herausgerollt werden. (Photo: NASA)
Cabana erklärte, die Rampe würde in einen Übergangszustand überführt, ebenso wie das riesige Montagegebäude (VAB), das eines Tages wieder für neue Expeditionen in den Weltraum hinaus benötigt werde.

"Und schließlich, wenn mehr Erkundungsreisen weit von unserem Heimatplaneten wegführen, wird es Szenarien geben, bei denen wir zwei große Startrampen benötigen werden, um zwei große Trägerraketen dabei zu unterstützen, um einige der Dinge zu tund, die wir vorhaben", meinte Cabana. "Weiter in der Zukunft sehen wir Bedarf für diese Rampe. In der Zwischenzeit stellen wir sicher, daß sie nicht in einen Zustand gerät, aus dem wir sie nicht wieder in Betrieb nehmen können, wenn wir sie brauchen."

Die Verantwortlichen der NASA sehen die Rampe 39B als ersten Startplatz für eine Schwerlastrakete, die Menschen und Fracht auf interplanetare Reisen zu Asteroiden, dem Mond, dem Mars und anderen Zielen schicken soll.

Die Raumfahrtbehörde schließt derzeit ihren Entwurf des Weltraumstartsystems (SLS) ab, das mit hoher Wahrscheinlichkeit Teile des Shuttle-Systems wiederverwenden wird, wie Triebwerke und andere Ausrüstung. Die Verantwortlichen der NASA, das Weiße Haus und unabhängige Berater werden den Entwurf prüfen, bevor er gegenüber der Öffentlichkeit und den Vertragspartnern freigegeben wird.

"Wir bereiten uns ganz offensichtlich darauf vor, eine Schwerlastrakete von dieser Rampe so früh wie möglich starten zu können. Wir peilen dabei 2016 an", erläuterte Cabana.

Die NASA erklärte, ausgehend von den derzeitigen Haushaltsprognosen werde das SLS nicht vor 2020 Astronauten in's All bringen, aber das KSC plane dennoch, die Rampe Jahre früher dafür fertig zu haben.

"Wir werden das vorantreiben, um sie sobald als möglich fertig zu haben, so daß wir NASA-Raketenstarts von ihr durchführen können", meinte Cabana.

Das Zukunftskonzept für die Startrampe 39B sieht einen flachen Rampenaufbau ohne permanente Strukturen vor. Der Versorgungsturm der Rakete soll direkt auf der mobilen Startplattform aufgebaut werden und mit ihr für die abschließenden Startvorbereitungen zur Rampe herausgerollt werden.

Ein 119 Meter hohe mobiler Startturm, der für die gestrichene ARES 1 Trägerrakete gedacht war, steht außerhalb des VAB. Obwohl es derzeit keine Mission für ihn gibt, könnte er für die kommerziellen Trägerraketen modifiziert werden, oder auch für das Schwerlastraketenprogramm der NASA.

Die Verantwortlichen planen derzeit, die 39B für die Mobile ARES-Startplattform maßzuschneidern, egal, welches Raumfahrzeug es am Ende tatsächlich nutzen wird.

Die Ingenieure werten die Rechner der Startrampe 39B, das Stromnetz und die Steuersysteme auf. Die NASA überholt auch die Treibstofftanks auf der küstennahen Anlage.

Drei 183 Meter hohe Blitzableitermasten wurden im Jahr 2009 an der 39B als Teil eines Wetterschutzsystems der nächsten Generation für große Trägersysteme errichtet.

Die Betonoberfläche der Rampe, die in den 1960er Jahren für das Apollo-Programm gegossen wurde, wird für das nächste Raumfahrtprogramm intakt gehalten. Die NASA hatte sich dafür entschieden, die Rampenstrukturen mit Kränen und Schneidgeräten zurückzubauen, als sie mit Sprengmitteln zu Fall zu bringen. Dies sollte sicherstellen, daß der Beton nicht von herabfallenden Bruchstücken beschädigt würde.

Die Startrampe 39B wurde zuerst von der Saturn V Trägerrakete der Mission APOLLO 10 genutzt, der Generalprobe für die erste bemannte Mondlandung. Saturn 1B Trägerraketen starteten im Jahr 1973 von hier mit Astronauten zur Raumstation SKYLAB. Drei Astronauten hoben im Jahr 1975 von hier mit einer anderen Saturn ab, um in einer Phase der Entspannung zwischen den Weltmächten im kalten Krieg in der Erdumlaufbahn mit einem sowjetischen SOJUS-Raumfahrzeug zu koppeln.

Die Versorgungs- und Zugangsstrukturen der Startrampe wurden zwischen 1986 und 2006 für die Vorbereitung von 53 Raumfährenmissionen genutzt, beginnend mit dem tragischen Start der Raumfähre CHALLENGER.

Der ARES 1-X Testflug nutzte ebenfalls die Rampe für seinen Start im Oktober 2009.

Die Rampe 39A war der Abflugpunkt für 82 Shuttle-Flüge und allen APOLLO-Missionen, die auf dem Mond gelandet sind.

Quelle: Spaceflight Now
Bearbeitet von: Matthias Pätzold

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letzte Änderung am 28. Juli MMXI