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Bericht 24. Februar 2009
Start von Kohlendioxidobservatorium fehlgeschlagen
Nutzlastverkleidung von Tausrus-Trägerrakete löste sich nicht - OCO stürzt bei der Antarktis in's Meer

OCO-Start
Oben: Der Start von OCO erfolgte um 10:55 Uhr MEZ vom US-Luftwaffenstützpunkt Vandenburg in Kalifornien. OCO sollte in eine polare sonnensynchrone Umlaufbahn eingeschossen werden. (Photo: NASA TV)
NASA's Orbitales Kohlenstoffobservatorium (OCO), ein neuer Satellit der der Kartierung der Kohledioxidkonzentrationen auf der Erde gewidmet ist, ist heute Vormittag kurz nach dem Start nahe der Antarktis in den Ozean gestürzt, nachdem eine Abdeckung, die das Raumfahrzeug eigentlich schützen sollte, ihm zum Verhängnis wurde.

Die Fehlfunktion ereignete sich nur wenige Minuten nachdem die rund 210 Millionen Euro teure Raumsonde um 10:55 Uhr MEZ auf der Spitze einer Taurus XL Trägerrakete vom US-Luftwaffenstützpunkt Vandenburg in Kalifornien abgehoben hatte.

"Unser gesamtes Team ist auf einer sehr persönlichen Ebene von den Ereignissen am Morgen betroffen", meinte John Brunschwyler, der Taurus-Projektleiter für den in Dulles im US-Bundesstaat Virginia beheimateten Raketenhersteller Orbital Sciences in einer düsteren Pressekonferenz nach dem Start. "Das ist sehr hart."

Die rund 441 kg schwere Satellit OCO war der erste Satellit der NASA, der ausschließlich zur Kartierung der Kohlendioxidkonzentrationen auf der Erde und zum Verstehen, wie der menschliche Beitrag zu dem Treibhausgas das globale Klima verändert, gebaut wurde. Der Satellit trug dafür ein einziges dreikanaliges Spektrometer an Bord, mit dem detaillierte Messungen durchgeführt werden sollten. Er sollte in eine sonnensynchrone Nahpolarbahn in 705 km Höhe über der Erde eingeschossen werden.

Brunschwyler erklärte, das erste Anzeichen für Schwierigkeiten während des heutigen Fehlstarts zeigten sich rund drei Minuten nach dem Abheben, als die Telemetrie der Taurus XL Rakete kein Zeichen davon blicken ließ, daß die halbschalenartige Nutzlastverkleidung abgeworfen wurde.

Die Nutzlastverkleidung ist eine auf der Nase angebrachte Abdeckung, die das Raumfahrzeug darunter vor der Erdatmosphäre schützt, bis der Träger den Weltraum erreicht. Nach ihrem Abwerfen hätten die Flugleittechniker OCO und seine Oberstufe ohne der zusätzlichen Masse schneller beschleunigen sehen müssen, aber dieser Beschleunigungszuwachs erfolgte nicht.

"Als das direkte Ergebnis des zusätzlichen Gewichts, das wir mittrugen, konnten wir die Umlaufbahn nicht erreichen", erläuterte Brunschwyler und fügte hinzu, daß die Fehlfunktion schließlich dazu führte, daß OCO nahe der Antarktis in den Ozean stürzte. "Wir sind ziemlich sicher, daß es nicht über irgendwelches Land geflogen ist, und daß es noch vor der Antarktis niedergegangen ist."

Untersuchung am Start

OCO im Orbit
Oben: Aus der polaren Umlaufbahn heraus sollte OCO die Konzentrationsverteilung von Kohlendioxid in der Erdatmosphäre kartieren und so die Stellen finden, an denen besonders viel CO2 eingetragen wird, aber auch die, an denen besonders viel abgebaut wird. (Abbildung: NASA)
Die NASA stellt jetzt einen Unglücksuntersuchungsausschuß zusammen, um den fehlgeschlagenen Start zu untersuchen und, wie Verantwortliche der Behörde hoffen, die Grundursache zu bestimmen. Diese Untersuchung wird essentiell wichtig für den NASA-Satelliten GLORY sein, einem Umweltüberwachungssatelliten, der ebenfalls konstruiert wurde, um Studien zum Klimawandel zu unterstützen, und der im Oktober mit einer Taurus-Trägerrakete starten soll.

"Unser Ziel ist es, die Grundursuche für das Problem zu finden", erklärte NASA-Startdirektor Chuck Dovale. "Wir werden GLORY nicht starten, bis wir diese Daten kennen."

NASA's OCO-Satellit und seine Tausrus XL Trägerrakete wurden beide von Orbital Sciences gebaut. Die vierstufige feststoffbetriebene Taurus XL ist rund 27 Meter hoch und kann Satelliten bis zu einer Masse von 1590 kg in die niedrige Erdumlaufbahn starten. Die Rakete sit eine landgestützte Version von Orbital Sciences' Trägerrakete Pegasus.

Seit ihrem Debut im Jahr 1994 hat die Taurus-Rakete sechs von acht gestarteten Missionen erfolgreich geflogen und 12 Satelliten in die Umlaufbahn gebracht. Die letzte Taurus erreichte im Jahr 2004 erfolgreich den Weltraum. Der einzige Fehlstart vor dem am heutigen Dienstag, ereignete sich im September 2001.

Schwerer Schlag für die Klimaforschung

Der Verlust von NASA's Raumsonde OCO ist ein schwerer Schlag für die globale Klimaforschung, nachdem es acht Jahre dauerte, den Satelliten zu entwickeln und für den Start vorzubereiten.

Die Forscher hofften, daß das Raumfahrzeug definitive Antworten zu den Fragen um den natürlichen Kohlendioxidkreislauf der Erde liefern würde, ebenso dazu, wie der Planet 8 Milliarden Tonnen an Treibhausgasen, die durch die Verbrennung von fossilen Brennstoffen und anderen menschlichen Unternehmen jedes Jahr produziert werden, verarbeitet.

"OCO sollte einige wichtige Messungen zum Kohlenstoffkreislauf anstellen", meinte Michael Freilich, der Direktor der Abteilung für Erdwissenschaften der NASA. "Was wir jetzt tun werden, ist einen guten fundierten und nachdenklichen Blick darauf werfen, wie wir mit den Erdwissenschaften im allgemeinen fortfahren, und mit dem Kohlenstoffzyklus im besonderen, unter Berücksichtung aller Posten, die uns jetzt und in der nahen Zukunft zur Verfügung stehen."

Klimaforscher gingen davon aus, daß OCO die Führung in einer internationalen Zusammenstellung aus Wetterbeobachtungssatelliten, die auch der "A-Zug" genannt werden, übernehmen. Als A-Zug werden sie bezeichnet, weil sie wie bei einem Zug einer nach dem anderen über die Erde hinwegziehen, um ein dreidimensionales Abbild des Wetters und des Klimawandels auf dem Planeten zu schaffen,ebenso wie die menschlichen Beiträge zum Treibhauseffekt und der globalen Erwärmung verstehen zu lernen.

Japan's kürzlich gestarteter Klimaforschungssatellit IBUKI (vormals GOSAT), ebenso wie einige andere bereits in der Umlaufbahn befindliche Satelliten, könnten das Fehlen von OCO kompensieren.

Während es noch Hoffnung gibt, daß man wieder weitermachen kann, wo der Verlust von OCO sie hat stehen lassen, liegt noch sehr viel Arbeit an, bevor die Verantwortlichen der NASA "entscheiden können, wie es wissenschaftlich und für die Nation am besten ist, fortzufahren", erklärt Freilich.

Quelle: Space.com
Bearbeitet von: Matthias Pätzold


letzte Änderung am 24. Februar 2009